Subsistenz & Commonie

Diese beiden Begriffe, die im Zentrum der Lernzeit stehen und das Wirken in der Klein Jasedower Lebensgemeinschaft prägen, sind erklärungsbedürftig:

Subsistenz
»Subsistenz« (von lateinisch subsistentia, »durch sich selbst«) bedeutet, das Naheliegende und Notwendige zu tun, um das, was für ein gutes Leben im umfassenden Sinn gebraucht wird, in regionalen Zusammenhängen gemeinsam hervorzubringen und zu erhalten. Es bedeutet nicht, autark oder völlig unabhängig zu sein, denn nichts und niemand auf dieser Welt kann für sich allein existieren. Stattdessen nimmt die Subsistenzperspektive die Notwendigkeit in den Blick, für und durch einander (Care-Arbeit) gemeinsam für das, wovon wir alle leben, zu sorgen.
Der Kern der Subsistenz ist zwar die Logik des Bäuerlichen, sie ist aber viel mehr als nur Landwirtschaft: Auch Musik, Kunst und lebenslanges Lernen und Forschen gehören dazu. Die Subsistenz schafft die Einbettung für schöpferisches, nährendes Tun, das an Orten des guten Lebens konkret wird.
Auf den oft gebrachten Einwand der Sperrigkeit erwiderte die Sozialanthropologin Veronika Bennholdt-Thomsen, die den Begriff »Subsistenz« seit den 1970er Jahren im deutschsprachigen Raum verbreitet: »Dass es ein sperriger Begriff ist, hat durchaus Vorteile: Er lässt uns über das stolpern, was uns fehlt, und lässt sich – anders als etwa ›Nachhaltigkeit‹ – nicht beliebig verbiegen, verwässern oder umdeuten.« (Oya 71/2022)

Commonie
Unter »Commonie« (von lateinisch communis, »gemein, gemeinsam«) verstehen wir die Art und Weise, wie wir uns als erweiterte Gemeinschaft organisieren und wahrnehmen, so dass wir unsere materiellen und immateriellen Lebensquellen im oben genannten Sinn pflegen und nutzen können. Das Modell der Commonie erproben wir bereits seit vielen Jahren. Dabei bemühen wir uns, den Dreiklang aus

  • Gemeinschaffen,
  • notwendigem Tun und
  • gleichwürdigem Miteinander klingen zu lassen.
    Wir haben verstanden, dass commonisches Leben bedeutet,
  • die Bindung in der Gemeinschaft auf ein gemeinsam geteiltes Gefühl der Zugehörigkeit zu gründen,
  • sich in Vielfalt gemeinsam auszurichten,
  • sich eine achtungsvolle, dankbare, lebensfördernde und zum Dienen bereite Lebenshaltung zu erarbeiten,
  • dem Nein gegenüber lebensfeindlichen Wirklichkeiten ein konkretes und konsequentes Ja zu einem »guten Leben für alle« gegenüberzustellen,
  • die Idee von Eigentum gründlich zu hinterfragen (»ich eigne mir die Dinge nicht an, sondern ich eigne mich den Dingen zu«),
  • die Ökonomie der Gabe als Wirtschaftsform zu entfalten,
    egalitär und gemeinstimmig zu entscheiden, und zwar nach Regeln, die sich die Mitglieder der Commonie gemeinsam geben.